Zusammen wohnen, feiern und kämpfen?

Politische Vorträge sind im ach so „theorieschwachen“ MV immer ein Grund zur Freude, sofern es sich nicht um Naziveranstaltungen handelt. So gibt es neben einer durchaus interessanten Veranstaltungsreihe nun auch einige Vorträge im Polyvolt, einer zum Thema „Freiräume“. Doch beim Blick auf die eingeladenen Referent_innen ist mir da auch jeder positive Gedanke vollkommen vergangen. Denn bei denen handelt es sich um Vertreter_innen des LiZ (Libertäres Zentrum) aus Magdeburg.Auf den ersten Blick hat das Libertäre Zentrum und auch der anhängende Infoladen nichts mit „Zusammen Kämpfen“, also den antizionistischen Schläger_innen aus Madgeburg, zu tun. Doch auch eine nachhaltige Distanzierung ist nicht zu finden. Aus informierter Quelle heißt es zwar, dass versucht wurde, die ZK-Leute aus dem LiZ fernzuhalten, dies aber nicht funktioniert hat und diese dort nun auch Ein- und Ausgehen können. Das ist selbstverständlich kein haltbarer Zustand und verlangt nach einer Intervention.

Zusammenschlagen

ZK Madgeburg sind in der Vergangenheit (und Gegenwart) vor allem durch körperliche und verbale Gewalt gegenüber denjenigen aufgefallen, die sie selbst als „Antideutsche“ identifiziert haben. Ob dazu bereits ein Israel-Button an der schwarzen Cappy ausreicht, oder ob erst ein IDF-T-Shirt ausschlaggebend ist, spielt dabei weniger eine Rolle, vielmehr ist diese Diskursfeindlichkeit und der Griff zu direkter Gewalt etwas, was in sogenannten „innerlinken“ Kreisen eher unüblich ist.

Diese Konflikte wurden tendenziell aber als „szeneintern“ gelabelt und somit wurde keine weitere Intervention von außen erwartet oder gewünscht, das sollten die Leute doch besser „alleine“ klären. Wenn aber meine persönliche körperliche Unversehrtheit auf dem Spiel steht, dann würde ich mich schon über die sonst so viel beschworene „Solidarität“ freuen. Diese blieb aber überwiegend aus, es wurde stattdessen weiter gegen „Antideutsche“ gehetzt, die auch noch am schlechten Wetter schuld sein sollen.

Kuschelkurs? – Aufs Maul!

Der große, als AntiD-Antiimp-Konflikt bekannt gewordene, Streit in der „linken Szene“ ist bis heute ungelöst, Gruppen haben sich gespalten, aber ein Ende der Auseinandersetzungen, sei es in Madgeburg, in Berlin, in Burg oder in Hamburg ist nicht in Sicht. Ich habe bereits in einem früheren Beitrag darauf hingeweisen, dass dies auch einem falschen Verständnis von „Szene“ liegt und zuerst dort angesetzt werden müsste.

Gruppen wie „ZK Madgeburg“, die in klaren Feindbildern denken, deren Berliner Ableger äußerst anti-emantipatorische Positionen vertritt und die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, sind keine Partner_innen, mit denen mensch sich an einen Tisch setzt und die eigenen „Uneinigkeiten“ ausdiskutiert. Diese Gruppen verdienen keine Solidarität, keine Unterstützung, kein gar nichts. Der einzig zumutbare Umgang mit solchen Gruppen ist eine totale Isolierung und eine totale Ausgrenzung aus jeglichen Strukturen, die auch nur den Hauch eines emanzipatorischen Selbstverständnisses haben.

Spalten statt Versöhnen!

Der Vorwurf der Spaltung trifft hier zu, würde die eigenen Strukturen aber nicht schwächen, sondern stärken, da mensch sich nicht weiter mit diesen Gruppen auseinandersetzen müsste und stattdessen mehr Energie in fortschrittliche politische Arbeit stecken könnte. Es müsste nur einfach mal ein harter Cut gemacht werden, der kompromisslos durchgezogen wird. Falls sich die ausgegrenzten Gruppen glaubhaft verändern oder von ihrer Vegangenheit distanzieren, lässt sich gerne über alles reden. Bis dahin aber nicht.

Daher muss sich auch das LiZ aus Madgeburg diesen Vorwurf gefallen lassen. Mehr noch als andere Gruppen, die schon aufgrund geographischer Entfernung mit diesen Leuten nicht in Kontakt kommen. Wenn sich also nun Vertreter_innen dieses Freiraums im Polyvolt hinsetzen und von ihrem Projekt erzählen, müssen sie sich auch die Frage gefallen lassen, wie sie mit Gruppen umgehen, die eine Gefahr für emanzipatorische Politik darstellen.
Falls sie darauf keine Antwort haben, oder eine missverstandene Toleranz oder Pluralität beschwören, kann es mit der „Freiheit“ in ihrem Freiraum nicht weit her sein.

6 Antworten zu “Zusammen wohnen, feiern und kämpfen?

  1. intressante gedanken =)

  2. In welchen Zusammenhang steht denn Burg mit Berlin, Hamburg oder Magdeburg?

  3. 2 Anmerkungen:
    1. Ich denke, selbst wenn es gelingen könnte Gruppen wie ZK auszuschließen, wäre dieses keine Immunisierung gegen die Auseinandersetzung mit ihnen, sondern müsste diese weiterlaufen, solange diese Gruppen wirkmächtige sind.

    2. Ich finde es irritierend, dass die Vorwürfe gegen ZK hier gar nicht weiter ausgeführt werden und das Zuschlagen wegen eines IDF- Shirts zur Diskursfeindlichkeit verniedlicht wird. Mensch sollte sich schon aus den richtigen Gründen von diesem Dreck abspalten, wobei das aus Rostock natürlich auch eine ziemlich einfache Forderung ist…

  4. @Hro-Sup
    Die Nennung von Burg bezieht auf diesen Artikel bei linksunten, in dem schwerwiegende Vorwürfe gegen die „Antifa Burg“ erhoben werde, unliebsame Personen angegriffen und bedroht zu haben. Von den Burger_innen gab es dazu bisher keine Stellungnahme.

    @Großraumdisko
    Ja, ich habe durchaus nicht jede gewalttätige Verfehlung von ZK aufgezählt, finde aber, dass im Artikel deutlich auf deren Gewalttätigkeit verwiesen wird. Die soll auch nicht als „Diskursfeindlichkeit“ heruntergespielt werden, sondern jene soll neben dem „Griff zu direkter Gewalt“ stehen, nicht an dessen Stelle.

  5. Ist das jetzt dein Ernst? Dir ist „jeder positive Gedanke vergangen“,weil Referenten kommen, die was mit einer Bude zu tun haben, die sich „nicht nachhaltig distanziert“?
    Alter wenn Antideutsche nur halb so viel Energie in eine vernünftige Leninismuskritik stecken würden, wie in die Einforderung einer für sie parteilichen Szenemoral, dann könnte ich weniger essen.
    Weil ich nicht so viel kotzen müsste.

  6. @anthraxit
    Wenn es um Kontakte zu Nazis, Freund_innen von Nazis, staatlichen Repressionsbehörden, islamistischen Gruppen, antisemitischen Hetzer_innen oder sexistischen Macker_innen geht, dann werden doch auch immer Distanzierungen eingefordert, oder etwa nicht? Und dort reichen reine verbale Distanzierungen meist auch nicht aus – zurecht übrigens.
    Ich will hier ZK gar nicht mit Nazis vergleichen (dazu einfach mal ihr Flugblatt zur Befreiungsparade lesen), aber es geht hier um Leute, die Gewalt und Bedrohungen für eine Art politischen Diskurs halten. Mit anderen Gruppen, die sich ähnlich verhalten, wird so verfahren, wie ich es am Anfang des Kommentars geschrieben habe. Wieso also nicht auch mit ZK und Konsort_innen?
    Und dies auf den AntiD-Antiimp-Streit runterzubrechen, ist eine Spur zu einfach.

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